35 Gründe für Kunst und Kultur

Kultur verstetigt, Kunst bricht auf. Beides wirkt ineinander und kann nicht ohne das andere. Beides brauchen wir zum Leben, wie das Fließen des Blutes in den Gefäßes unseres Körpers. Wir brauchen die Gewissheit und den grenzenden Horizont, gleichzeitig aber auch die Freiheit und die Versuchung hinter allen letztlich ausgedachten Grenzen Neues zu entdecken.

Für mich reicht das und alles was dabei an Überlegungen mitschwingt schon aus, um Kunst und Kultur zu rechtfertigen und eben nicht an erster Stelle im finanzpolitischem Streichkonzert zu Opfer fallen zu lassen. Da es aber unübersehbar nicht ausreicht, nur eine Erklärung und Begründung für Kunst und Kultur zu nennen, hier 35 weitere Gründe für Kunst und Kultur.

Kultur gibt Raum für Identität.

Kultur setzt Gegebenheiten und Dinge in ein Verhältnis zueinander. Kultur bildet dadurch ein Beziehungsgeflächt in dem wir uns selbst verorten können. Wir bewegen uns in dem, was wir als Menschen sind oder sein wollen nicht in einem luftleeren Raum, sondern setzen uns mit dem was uns umgibt oder umgab in Beziehung und erschaffen dadurch unser Sein.

Kunst schafft Neues.

Es ist natürlich schwer zu definieren, was Kunst ist. Man könnte sogar sagen, dass sich Kunst der Definition entzieht. Etwas leichter ist es, Aussagen darüber zu treffen, was Kunst wahrscheinlich nicht ist. Auch das ist natürlich diskutierbar, für den Gedankengang, möchte ich diesen Weg aber gehen. Ein immer wiederkehrendes Element in der Kunst ist der Bruch. Sie ist daher eher nicht das, was wir erwarten. Kunst lässt uns Dinge, die wir vorher vielleicht nicht gesehen haben, neu entdecken. Natürlich ist das sehr abhängig von uns selbst und was wir daraus machen.

Kunst schafft Abwechslung.

Um den Alltag mit seinen vielen Aufgaben zu bewältigen, brauchen wir die Organisation. Organisation heißt, dass wir den vielen einzelnen Tätigkeiten und Dingen für Bewältigung eine Aufgabe, eine bestimmte Bedeutung zugeordnet haben, die wir zu dem Zeitpunkt, wo wir uns aktiv oder passiv mit ihnen konfrontieren, schnell und ohne nachzudenken abrufen können. Oft heißt es, im Alltag einfach zu funktionieren. Kunst bricht mit diesen zugeordneten Bedeutungen und hilft uns, nicht im Alltagstrott zu ersticken. Schließlich sind wir keine Maschinen, sondern Menschen.

Kultur schafft Verständigung.

Selbst Sprache ist Kultur. Gesprochene Sprache funktioniert, weil wir gelernt haben den einzelnen Lauten, die wir (unter anderem) mit dem Mund formen und aneinanderreihen, eine Bedeutung zuzuordnen. Bei geschriebener Sprache ist das noch offensichtlicher. Verständigung geschieht aber nicht nur über Sprache und auch nicht nur über alle anderen Formen, die wir allgemein hin zur Verständigung zuzählen, Mimik, Gestik etc. Wir verständigen uns z.B. auch über Farben, Klänge, Bewegungsabläufe und Verhältnisse (groß zu klein, hell zu dunkel, laut zu leise). Kulturelle Bildung ist hier das Stichwort.

Kunst schafft Verständigung.

Wie schaffen wir eigentlich Verständigung, wenn wir mit unserem Gegenüber nur eine sehr geringe Schnittmenge an kulturellen Gemeinsamkeiten haben, für die Verständigung eben nicht auf eine gemeinsame bekannte Sprache zurückgreifen können? Wir müssen faktisch neu lernen und zwar nicht einseitig, sondern auf beiden Seiten. Wir müssen Unerwartetes erfahrbar machen. Kunst hilft uns die eigenen Muster aufzubrechen, um damit den Freiraum zu schaffen neue Muster zu erkennen und zu definieren.

Kultur schafft Verbindungen.

Kultur gibt uns die Möglichkeit Zielgruppen anzusprechen. Individuen werden durch Gemeinsamkeiten zu Gruppen. Gemeinsamkeiten lassen sich dabei immer auf der kulturelle Ebene definieren.

Kultur schafft Verbundenheit.

Kultur gibt die Möglichkeit privatwirtschaftliche Unternehmungen in eine Beziehung zum Gemeinwohl zu setzen. Das kann in verschiedener Weise passieren. Dadurch, dass Wirtschaft nicht ohne Wissen funktioniert, ist eine wirtschaftliche Tätigkeit selbst auch Teil einer Kultur und der Pflege dieser. Aber auch Sponsoring ist eine Form diese Beziehung herzustellen.

Kunst gibt Inspiration.

Es ist auch möglich Kunst aktiv dazu zu „nutzen“, um das eigene Tun und Vorhaben zu reflektieren. Kunst kann dabei helfen Brüche sichtbar und damit neue Blickwinkel nutzbar zu machen. Der Bruch eröffnet den neuen Blickwinkel.

Kultur gibt Inspiration.

Kultur bietet Verbindungen in alle Richtungen. Die Auseinandersetzung mit einer Kultur kann vorhandene Verbindungen aufdecken und erfahrbar machen.

Kultur speichert Wissen.

Kein Wissen ohne Anwendung. Kultur erschafft uns die Möglichkeit zu üben und zu trainieren, um Bedeutungen lebendig zu halten und über Generationen hinweg nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Kunst ist ein Experiment.

Kunst ist. Kunst muss keinen Sinn ergeben! Kunst stellt keine Bedingung auf Allgemeingültigkeit. Sie schafft damit die Möglichkeit Freiräume zu öffnen, in denen wir etwas tun können, was nicht zwingend in eine Verbindung zu Vorhandenem gebracht werden muss.

Kunst bietet Faszination und Begeisterung.

Kunst schafft Unerwartetes auf individueller Ebene. Überraschung!

Wir reden über Kultur.

Das was uns verbindet, gibt uns Anlass miteinander ins Gespräch zu kommen. Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen? Welcher Film hat Sie zuletzt begeistert?

Wir reden auch über Kunst.

Kunst überrascht. Kunst ist individuell. Natürlich kann man darüber reden und auch schreiben. Es gibt sogar Menschen, die kaufen diese Texte über Kunst.

Kunst ist ein Aushängeschild.

Für manche Menschen aber auch für manche Destinationen ist Kunst wie ein Versprechen für Individualität, Inspiration, Kreativität und Abwechslung. Vorherige Punkte unterstützen diese These.

Kultur ist auch ein Aushängeschild.

Für manche Menschen aber auch für manche Destinationen ist Kultur wie ein Versprechen für Orientierung, Vielfalt, Bildung und Reichtum. Vorherigen Punkte unterstützen diese These.

Kunst bietet Sicherheit

Komischerweise. Als Kapitalanlage.

Kunst ist ein Markt.

Kunstmarkt.

Kultur ist auch ein Markt.

Das ist nicht neu. Wir gehen auf Konzerte und trotz aller Klagen gibt es immer noch Menschen, die Musik kaufen. Wir kaufen auch Musikinstrumente und von einer Reise bringen wir uns ein Souvenir mit. Die Liste der Beispiele wird nahezu unendlich, vergleicht man das Konsumverhalten in unterschiedlichen Ländern. Die Kultur eines Landes, einer Region oder einer Gemeinde beeinflusst das Konsumverhalten maßgeblich.

Kunst schafft Unterschiede.

Innerhalb eines kulturellen Systems ist es die Kunst, die aufbricht und den Unterschied in Erinnerung hält oder überhaupt erst sichtbar macht.

Kultur schafft Unterschiede.

Jede Zuwendung ist auch eine Abwendung. Kultur ist ein unbewusst, teilweise auch bewusst gelebter Unterschied, der eine notwendige Abgrenzung definiert.

Kultur macht Freunde.

Wir lieben die Gemeinsamkeiten, die uns verbinden.

Kunst macht Freunde.

Wir lieben auch die Details, die Besonderheiten, die Extravaganzen, die uns unterscheiden. Bei allen Brüchen, die wir in uns tragen, können wir erkennen, dass sie zu uns gehören. (Der Umkehrschluss ist hier übrigens nicht gemeint. Nicht jeder Bruch ist auch gleich Kunst!)

Kultur und Kunst lernt uns Freude.

Wir lieben beides, die Verstetigung und die Veränderung. Freude ist endlich. Um so wichtiger, dass sich beides im Wechselspiel ergänzt und der Freude an den Dingen und an dem was wir tun immer wieder neuen Schwung gibt.

Kunst und Kultur lernt uns Streit.

Streit ist keine bösartige Geschwulst der Gesellschaft, sondern u. U. Ausdruck der Veränderung und deren Gewissheit. Veränderung ist immer. Um so wichtiger also, dass wir uns mit diesem Teil des Alltags auseinandersetzen und lernen, dass es Streit als Kultur zu pflegen gilt.

Kunst lässt uns nachdenken.

Wenn Abläufe und Strukturen scheinbar reibungslos zu funktionieren scheinen, kann es die Kunst sein, die uns fragen lässt, warum wir Dinge tun wie wir sie tun.

Kunst und Kultur gibt uns Input für neuen Output.

Wir stehen auf den Schultern von Riesen.

Kunst und Kultur hilft uns in Möglichkeiten zu denken.

Einzig die Veränderung ist uns sicher. Das Zusammenspiel von Kunst und Kultur füllt diese Veränderung aus und hebt die positiven Aspekte hervor. Kunst und Kultur beflügelt unsere Phantasie und lässt uns das weite Meer hinter dem steilen Berg erahnen.

Kunst und Kultur bring Farbe ins Leben.

Solche in Öl. Klangfarbe. Stimmungsblau.

Kunst und Kultur hilft uns uns weiterzuentwickeln.

Wir müssen uns ständig neu orientieren, neu verharren, das Tun verstetigen und wieder neu erfinden. Es passieren tausend Dinge gleichzeitig, oft brauchen wir die Konzentration und einen Fokus auf Details, sowohl wenn wir etwas gewinnen oder auch etwas überwinden wollen. Manchmal brauchen wir auch die volle Breite, die Überflutung, um selbst für einen Moment unwichtig zu werden. Kultur hilft uns dabei. Kunst kann einen wichtigen Akzent setzen. An dieser Stelle möchte ich natürlich nicht unerwähnt lassen, dass es auch anderes gibt, was hier mitspielt. Wissenschaft zum Beispiel.

Kunst und Kultur unterscheidet uns als Menschen von den Maschinen.

Das kann man einfach so stehen lassen oder ganze Aufsätze darüber verfassen. Ich entscheide mich für ersteres.

Kunst und Kultur trainiert unsere rechte Gehirnhälfte.

Dazu können Wissenschaftler mehr zu sagen.

Kunst und Kultur bietet eine Grundlage für Bildung.

Auch hier hat mindestens die Wissenschaft sehr viel mitzureden. Es ist aber auch eine Frage, was man unter Bildung versteht. Ich verwende sehr gern die Vorstellung, dass es bei der Bildung darum geht, Vermittlungsräume zu eröffnen, die einem die Möglichkeit geben sich selbst mit allem was einem umgibt in Beziehung zu setzen. Nach dieser Beschreibung geht es um Möglichkeiten, sich selbst zu bilden, das eigene Ich auszubilden, zu formen. Kunst und Kultur kann dabei vielerlei beteiligt sein, als Raum, als Mittler, als Werkzeug.

Kunst kann schön sein.

Ja. Natürlich ist „schön“ dabei genau so subjektiv wie die Kunst selbst.

Kunst kann Spaß machen.

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Kunst Kultur Wortwolke

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Die Wortwolke ist mit wordle.net erstellt.

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Kommentare:

  1. Wie ich zum Schreiben kam – Benjamin Brückner
  2. RalfLippold

    // antworten

    Danke für’s „Lanzebrechen“ für die Kunst und die damit verbundene Kultur, die durchaus in einen größeren Kontext eingebunden zu verstehen ist.

    Für mich, nach einigen Dutzend Besuchen (Gespräch, Konzert, Ballett, Oper, Stückeinführung) an der Semperoper, fasziniert immer wieder das kurze Essay von Edgar Schein zum Thema, und warum Kunst und der Künstler eine entscheidende Rolle in unserer Gesellschaft spielt. Zumeist wird diese Rolle als „unwichtig“ oder „zu teuer“ wahrgenommen. Doch was wäre z.B. Dresden ohne diese (auch in der Vergangenheit) mächtigen finanziellen Aufwendungen und Anhäufung von Kunst und der positive Einfluss, Wissenschaftler und Fachleute aller Couleur und Herren Länder nach Dresden zu ziehen?

    Hier Link zum Essay: http://bit.ly/RsObzn h/t http://twitter.com/BetseyMerkel

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